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Computerspielsucht

Die Computerspielsucht ist eine Verhaltenssucht mit zwanghafter Nutzung von elektronischen Spielen, dazu zählen unter anderem auch Online-Computerspiele und Videospiele.

Suchtgefährdungspotenzial elektronischer Spiele

Die reine Nutzungszeit alleine ist kein aussagekräftiges Kriterium für ein suchtartiges Verhalten. Um von einer Sucht zu sprechen, muss das Spielen derart exzessiv betrieben werden, dass die Anforderungen des täglichen, sozialen und beruflichen Lebens völlig vernachlässigt werden. Auch wenn Betroffene Kenntnis über ihr schädliches Verhalten haben, können sie ihr Spielverhalten aus eigener Kraft nicht einschränken. Das Suchtgefährdungspotenzial elektronischer Spiele ergibt sich aus verschiedenen Faktoren: beispielsweise Rollenspiele in virtuellen Welten, Belohnungssysteme und Einbindung in ein soziales Spielernetzwerk. Aus diesem Grund sind vor allem Jugendliche anfällig.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat in der elften Version ihres Klassifikationssystems für medizinische Diagnosen (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, kurz ICD)  Computerspielsucht (”gaming disorder”) als offizielles Krankheitsbild in ihren Katalog aufgenommen.

Die ICD-11 wurde im Mai 2019 auf der Weltgesundheitsversammlung verabschiedet und soll offiziell ab Januar 2022 gelten. Drei Kriterien müssen laut ICD 11 vorliegen, um von einer Spielstörung sprechen zu können: Entgleitende Kontrolle etwa bei Häufigkeit und Dauer des Spielens, wachsende Priorität des Spielens vor anderen Aktivitäten und Weitermachen auch bei negativen Konsequenzen.

Forschungsberichte

Erhebung der problematischen Nutzung von digitalen Spielen (PDF, 546 KB)

Der Bericht beschreibt Grundlagen zum Thema "Digitale Spiele" und die zentralen Diskurse. Die Expertise bietet die Möglichkeit zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Suchtproblematik.

Studien zur Computerspielsucht

Bedingt durch die schnelle Veränderung am Markt und den sich rasch ändernden Konsumgewohnheiten, gibt es wenige aussagekräftige Studien zur Computerspielsucht.

Ein erstes empirisches Bild zur Computerspielsucht bei Jugendlichen in Österreich gibt die Studie: ”Klinische Merkmale von Abhängigkeit und Missbrauch bei Jugendlichen” der Sigmund Freud Privat-Universität Wien und der Johannes Gutenberg-Uni Mainz aus 2009.

Ziel der Studie war aufzuzeigen, in wie weit exzessives Computerspielverhalten bei Jugendlichen einer klassischen Suchterkrankung entsprechen: 52 Prozent der befragten Schüler gaben an, nicht für ihr Alter freigegebene Spiele zu spielen. 12 % zeigten ein suchtartiges und 2,7 % davon ein abhängiges Verhalten. Die Studie kommt unter anderem zu dem Schluss, dass sich Altersempfehlungen  zwar am Gewaltgehalt eines Spiels orientieren, nicht jedoch an dessen Mechanismen zur Spielbindung oder an den für den Spielerfolg notwendigen Nutzungszeiten (zum Beispiel Online-Rollenspiele wie ”World of Warcraft”).

Die Studie kann beim Springer-Verlag kostenpflichtig erworben werden.

Kennzeichnung von Computerspielen - Prävention durch Information

Ein großer Teil der Präventionsarbeit besteht in der Wissensvermittlung und Information. Im Kinder- und Jugendbereich kann schon eine einfache und verständliche Kennzeichnung der Spiele eine nützliche Orientierungshilfe sein. Als Mindestinformation soll erkennbar sein, für welche Altersgruppe das Spiel geeignet ist, Thema und Inhalt des Spiels und mögliche Problembereiche.

Altersklassifizierung von Computerspielen

Im Sinne des Jugendschutzes sollen Computer- und Videospiele nach Altersklassen eingeteilt werden und mit einem entsprechenden Symbol gekennzeichnet werden. Die Symbole sollen beispielsweise über Inhalt des Spieles, mögliche ”Problembereiche” wie Gewalt, Angst, Diskriminierung oder Schimpfwörter informieren.

Derzeit erfolgt die Altersklassifizierung von Computerspielen nach dem System der Pan European Game Information (PEGI).

Europaweite Jugendschutz-Symbole sind zum Beispiel die PEGI-Symbole. Sie dienen der Kennzeichnung von Spielen, deren Anbieter sich verpflichtet haben, ein Mindestmaß an Schutz für Minderjährige einzuhalten.

In Österreich ist derzeit nur in Wien und Kärnten die Kennzeichnung von Computerspielen verpflichtend, in den anderen Bundesländern wurde noch keine diesbezügliche Regelung umgesetzt.

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Letzte Aktualisierung: 10. Februar 2020