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Abschrift: Setting und Inhalte

FD: Im Jugendcoaching wird mit Kompetenzenprofilen gearbeitet – wo bin ich gut, wo habe ich noch Nachholbedarf – und Sie setzen auf diesen Profilen auf?

Pollak: Richtig. Für uns ist der individuelle Zugang sehr wichtig: wo braucht der Jugendliche was? Es gibt keine Maßnahme die über alle darübergestülpt wird. Wir haben hier sehr viele Möglichkeiten, die Jugendlichen gut zu betreuen und zu trainieren. Multiprofessionelle Teams, bestehend aus Psychologen, Pädagogen, Sozialarbeitern, kümmern sich gemeinsam mit den Jugendlichen um soziale Problematiken; Coaches und Trainer arbeiten mit den Jugendlichen an den Arbeitstugenden, in der Wissenswerkstatt kann Wissen nachgeholt werden.

FD: Gibt es nur Einzelcoachings oder auch Gruppensituationen?

Pollak: Es gibt zunächst eine Aktivierungsphase: wie können wir den Jugendlichen dazu bringen, dass etwas weitergeht. Danach werden die Jugendlichen einer Gruppe zugeordnet. Die Gruppe geht in Betriebe und arbeitet dort. Parallel dazu hat jeder Jugendliche einen Coach, und darüber hinaus gibt es verschiedene Angebote, für die wir mit den Jugendlichen gemeinsam überlegen: zu welchen Seminaren sollen wir dich zubuchen? Das Seminarangebot reicht dabei von Basisenglisch über Umgang mit Geld, Zeiteinteilung und Pünktlichkeit bis hin zu Arbeitsrecht light oder auch Lern- und Gedächtnistraining – also verschiedenste Angebote. Parallel zu diesem Programm ist auch Sport ein Thema – wir gehen walken, slacklinen und ähnliches, es soll ja auch Spaß machen. Über all diese Angebote hinaus gibt es für jeden Jugendlichen einen Coach, mit dem die Problemfelder festgestellt und beackert werden.

FD: Klingt sehr umfangreich – und das alles können Sie im Haus leisten?

Pollak: Ja. Es ist ein umfassender Service innerhalb dessen sehr viel möglich ist, in alle Richtungen. Es ist nicht gesagt, dass jede/r Jugendliche dieselbe Anzahl an Stunden hier verbringen muss. Wenn ein Jugendlicher anfangs nicht so viel Bedarf hat, ist das so. Es gibt keinen Stundenplan der für alle gleich ist.

FD: Das heißt ich kann mir, ausgerichtet an meinen Bedürfnissen, gleichsam einen Modulplan zusammenstellen und so auch steuern, wie viele Stunden ich im Projekt verbringe?

Pollak: Grundsätzlich ja, es müssen allerdings mindestens 16 Stunden je Woche sein. Wenn wir merken dass „mehr geht“ stocken wir einfach auf, wir können uns in der Bandreite frei bewegen.

FD: Die Produktionsschule ruht auf vier Säulen: Wissenswerkstatt, Coaching, Training, Sport.

Pollak: Das Coaching läuft begleitend über die gesamte Teilnahmedauer mit. Je nach Problemlage werden hier die jeweils passenden Coaches eingesetzt – also eher Sozialarbeiterin oder eher Psychologin? Diese/r Coach bleibt dann aber über die Betreuungsdauer „mein“ Coach.

FD: Was kann ich mir unter der Wissenswerkstatt vorstellen?

Pollak: Hier geht es darum, Wissensdefizite aufzuholen, vor allem im Bereich klassischer Bildung. In einer Kleingruppe wird versucht, in möglichst pädagogischen Ansätzen die Defizite zu bearbeiten – Deutsch und Mathematik sind hier Schwerpunkte. Auch hier gibt es einen empathischen, individuellen Zugang für die Jugendlichen und wir versuchen einen sehr ganzheitlichen Ansatz zu fahren, das heißt wir versuchen sehr viel mit Themen zu arbeiten und versuchen fächerübergreifend zu arbeiten. Auch bewegungsorientiertes Lernen spielt eine wichtige Rolle. Ein anderer Schwerpunkt sind natürlich Neue Medien, wobei wir hier nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Gefahren versuchen aufzuzeigen.

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