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Arbeitssuche und Arbeitsvermittlung in Österreich

Die Arbeitsvermittlung ist in Österreich im Arbeitsmarktförderungsgesetz (AMFG) geregelt und wird im Auftrag des Gesetzgebers vom Arbeitsmarktservice (AMS) durchgeführt. Abgesehen vom AMS dürfen auch verschiedene Firmen und Institutionen die Arbeitsvermittlung übernehmen. 

Arbeitsvermittlung

Arbeitsvermittlung außerhalb des Arbeitsmarktservice

Neben dem AMS darf die Arbeitsvermittlung nach den Bestimmungen des AMFG auch von folgenden Firmen/Institutionen ausgeübt werden:

  • gesetzliche Interessensvertretungen und kollektivvertragsfähige Berufsvereinigungen
  • gemeinnützige Einrichtungen (Non-Profit-Organisationen)
  • Inhaberinnen/Inhaber einer Gewerbeberechtigung für das Gewerbe der Arbeitsvermittler
  • soweit ausschließlich Führungskräfte vermittelt werden: der Unternehmensberater/die Unternehmensberaterin einschließlich der Unternehmensorganisatoren

Die Vermittlung ist für die Betriebe entgeltlich, hat aber für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in jedem Fall kostenlos zu erfolgen. Nur bei erfolgreicher Vermittlung von Künstlerinnen und Künstlern sowie von Sportlerinnen und Sportlern kann auch von den Arbeitsuchenden selbst ein Vermittlungsentgelt verlangt werden.

Private Arbeitsvermittler werden durch die Gewerbebehörden überwacht. Bei Verletzung der gesetzlichen Vorschriften sind Verwaltungsstrafen vorgesehen (Verwaltungsstrafanzeige, Entziehung der Gewerbeberechtigung).    

Arbeitsvermittlung durch gemeinnützige Einrichtungen

Bei gemeinnützigen Einrichtungen ist die beabsichtigte Aufnahme der Vermittlungstätigkeit dem Sozialministerium anzuzeigen. Die Anzeige muss die Vereinsstatuten und Angaben zur beabsichtigten Vermittlungstätigkeit enthalten.

Gewerbliche Arbeitsvermittlung

Die Ausübung des Gewerbes der Arbeitsvermittlung ist als reglementiertes Gewerbe an einen Befähigungsnachweis gebunden. Die Erteilung der Gewerbeberechtigung erfolgt durch die nach dem Firmenstandort zuständige Gewerbebehörde (Bezirkshauptmannschaft bzw. Magistrat)

Folgende Zugangsvoraussetzungen müssen erfüllt werden:

  • bei natürlichen Personen: die Staatsangehörigkeit einer Vertragspartei des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) und Wohnsitz in einem EWR-Vertragsstaat
  • bei juristischen Personen und Personengesellschaften des Handelsrechts: der Sitz oder die Hauptniederlassung in einem EWR-Vertragsstaat und die Staatsangehörigkeit einer EWR-Vertragspartei der Mitglieder der zur gesetzlichen Vertretung berufenen Organe oder der geschäftsführungs- und vertretungsbefugten Gesellschaft und deren Wohnsitz in einem EWR-Vertragsstaat
  • eine Befähigungsprüfung, um die für die Arbeitsvermittlung notwendigen Kenntnisse nachzuweisen
Bei der Ausübung des Gewerbes der Arbeitsvermittlung sind die im Arbeitsmarktförderungsgesetz angeführten Grundsätze (wie z.B. Freiwilligkeit der Inanspruchnahme, Unparteilichkeit bei der Durchführung, Zumutbarkeit einer Beschäftigung, Verbot der Vermittlung an einen von Streik oder Aussperrung betroffenen Betrieb) und Bestimmungen einzuhalten.    

Die österreichische Arbeitslosenversicherung

Die Arbeitslosenversicherung ist Teil der gesetzlichen Sozialversicherung. Ihre Aufgabe besteht hauptsächlich darin, arbeitslosen Menschen während der Zeit ihrer Arbeitssuche ein Einkommen zu sichern.

Die Arbeitslosenversicherungspflicht sowie die Voraussetzungen für den Bezug von Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe (zum Beispiel das Ausmaß der notwendigen Versicherungszeiten, Regelungen zur Beurteilung des Vorliegens von Arbeitslosigkeit, Berechnung und Höhe des Arbeitslosengeldes/der Notstandshilfe, Dauer des Bezuges etc.) sind im Arbeitslosenversicherungsgesetz geregelt.

In Österreich ist das Arbeitsmarktservice für die Erbringung von Leistungen nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz zuständig.

Arbeitslosenversicherung für Angestellte und freie Dienstnehmer und Dienstnehmerinnen

Grundsätzlich sind unselbstständig Erwerbstätige und freie Dienstnehmer und Dienstnehmerinnen, die in der Krankenversicherung pflichtversichert sind, auch arbeitslosenversichert. Die Höhe des Beitrages beträgt 6% des Entgeltes, wobei dieser Beitrag je zur Hälfte vom beschäftigenden Unternehmen und vom Arbeitnehmer/ von der Arbeitnehmerin zu tragen ist. Die Einhebung erfolgt durch die Krankenkassen.

Arbeitsmarktförderungen

Das Arbeitsmarktservice bietet eine breite Palette an Unterstützungen und Förderungen an. Gefördert werden nicht nur Arbeitssuchende und Unternehmen, auch bestimmten Organisationen (z.B. Ausbildungseinrichtungen, gemeinnützigen Vereinen) können als Maßnahmenträger Förderungen gewährt werden.

Weitere Förderungen sind durch den Europäischen Sozialfonds vorgesehen. Ausgerichtet an der „Europa 2020“-Strategie sollen damit die Erwerbsbeteiligung gesteigert, Schulabbrüche verringert und Armut bekämpft werden.

Ziele der Arbeitsmarktförderung

Laut Arbeitsmarktservicegesetz (§ 29 und § 34) soll das AMS Leistungen an und für Personen erbringen, um sie in folgenden Punkten zu unterstützen:

  1. die Überwindung von kostenbedingten Hindernissen der Arbeitsaufnahme
  2. eine berufliche Aus- oder Weiterbildung oder die Vorbereitung auf eine Arbeitsaufnahme
  3. die (Wieder-)Eingliederung in den Arbeitsmarkt
  4. die Aufrechterhaltung einer Beschäftigung

Das AMS fördert damit neben arbeitslosen Personen auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Aufgaben der Arbeitsmarktförderung

Arbeitsmarktförderungen haben vordergründig die Aufgabe, Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen. Primär zu fördernde Zielgruppen sind daher:
  • Menschen mit fehlender oder nicht (mehr) verwertbarer Berufsausbildung
  • Jugendliche mit Einstiegsproblemen
  • Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger nach Berufsunterbrechungen
  • längerfristig aus dem Erwerbsleben ausgegrenzte Personen
  • Personen mit arbeitsmarktrelevanten Behinderungen
  • ältere Personen
  • vom Strukturwandel betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
Auf arbeitsmarktpolitische Förderungen kann kein Rechtsanspruch erhoben werden.

Maßnahmen der Arbeitsmarktförderung

Arbeitsmarktpolitisch geförderte Qualifizierungsangebote bieten sowohl die Vermittlung fachlicher Kenntnisse als auch sogenannter Schlüsselkompetenzen.

Wichtige Maßnahmentypen sind:
  • Maßnahmen der aktiven Arbeitssuche: Vermittlung von Fertigkeiten, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Arbeitssuche stehen (Bewerbungstrainings, Selbstmarketing, Stellenakquisition etc.)
  • Orientierungsmaßnahmen: Hilfestellung bei der beruflichen Entscheidungsfindung und Berufswegplanung oder auch Erwerb von erster Praxis und spezielle Einstiegshilfen für Jugendliche
  • Trainingsmaßnahmen: Kombination von produktiver Arbeitsleistung und bedarfsgerechter Betreuung sowie Qualifizierung für Langzeitarbeitslose und Personengruppen mit speziellen Vermittlungseinschränkungen
  • Weiterbildungsmaßnahmen: Vermittlung von beruflichen Einstiegs- und Zusatzqualifikationen (z.B. CAD-Lehrgänge, Servier- oder Schweißkurse)
  • Ausbildungsmaßnahmen: Erwerb staatlich anerkannter Schul- und Berufsabschlüsse (z.B. Facharbeiterintensivausbildung oder Hauptschulexternistenkurse)

Bei komplexeren Beschäftigungsproblemen können die Maßnahmen auch individuell kombiniert werden.

Um Personen, die auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind und ihnen die Teilhabe am Erwerbsleben wieder zu ermöglichen bzw. die Sicherung von Beschäftigungsverhältnissen in Krisenzeiten (Kurzarbeit) zu gewährleisten, stellt die Beschäftigungsförderung eine wichtige Strategie dar.
Zur Unterstützung der (Wieder-)Eingliederung von am Arbeitsmarkt benachteiligten Personengruppen gewährt das AMS zeitlich befristete Förderungen von Beschäftigungsverhältnissen, wobei zwischen den auf Einzelarbeitsplätze bezogenen Instrumenten der Eingliederungsbeihilfe und Kombilohnbeihilfe und den projektorientierten Beschäftigungsmaßnahmen zu unterscheiden ist:

Die Eingliederungsbeihilfe ist ein zeitlich befristeter Zuschuss zu den Lohn- und Lohnnebenkosten für die Einstellung von Langzeitbeschäftigungslosen sowie von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohten oder betroffenen Personen.
Mit der Kombilohnbeihilfe soll ein Anreiz für Arbeitslose geschaffen werden, auch gering entlohnte Tätigkeiten anzunehmen: Wer ein vollversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis von mindestens 20 Wochenstunden eingeht, erhält für die Dauer des Arbeitsverhältnisses (maximal bis zu einem Jahr) die Differenz zwischen dem Nettoerwerbseinkommen und dem zuletzt gebührenden Arbeitslosengeld bzw. der zuletzt gebührenden Notstandshilfe zuzüglich eines Aufschlags von 30%. Für arbeitslose Personen ab 59 Jahren, die länger als 182 Tage arbeitslos vorgemerkt sind oder die Maßnahmen oder berufliche Rehabilitation absolviert haben oder die Reha Geld bezogen haben, kann die Kombilohnbeihilfe auch bis zu drei Jahren gewährt werden.

Im Rahmen von Sozialen Unternehmen (Gemeinnützige Beschäftigungsprojekte und Sozialökonomische Betriebe) werden für nicht direkt in den Arbeitsmarkt vermittelbare Personen befristete Arbeitsplätze eingerichtet.  Das Angebot umfasst  Leistungen wie Beschäftigung, Qualifizierung und  sozialpädagogische Betreuung.

Qualitätssicherung und Evaluierung arbeitsmarktfördernder Maßnahmen

Da das Fördervolumen für die aktive Arbeitsmarktpolitik steigt, wächst auch die Verantwortung der öffentlichen Stellen, die Gelder effektiv einzusetzen.

Die Sektion Arbeitsmarkt des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz lässt regelmäßig Wirkung und Effizienz der wichtigsten Maßnahmentypen der aktiven Arbeitsmarktpolitik evaluieren. Damit wird sichergestellt, dass die angebotenen Qualifizierungen und Umschulungen den Bedürfnissen von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern ebenso wie jenen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gerecht werden.

Laut Studien fühlen sich Arbeitssuchende, die eine Qualifizierungsförderung in Anspruch genommen haben, im Vergleich zu Empfängern anderer Arten der Förderung besser bei ihrer Jobsuche unterstützt. Nach absolvierter Schulung schätzen sie ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz höher ein als zuvor – und die Chancen auf Beschäftigung steigen tatsächlich.

Arbeitsmarktfördernde Angebote des AMS

Das Regierungsprogramm 2017 – 2022 sieht einen weiteren Ausbau von arbeitsmarktnahen Qualifizierungsmaßnahmen vor. Bereits mit der „Ausbildungsgarantie bis 25“ wurden abschlussorientierte Angebote mit dem klaren Schwerpunkt auf Absolvierung einer Lehrabschlussprüfung für junge Erwachsene mit maximal Pflichtschulabschluss weitergeführt. 

Im Rahmen der weiter zu forcierenden Programme „Arbeitsplatznahen Qualifizierung“ und der Implacementstiftung werden arbeitslose Personen in Kooperation mit personalsuchenden Unternehmen auf einen konkreten Fachkräftebedarf hin qualifiziert. Programme dieser Art zeichnen sich durch eine deutlich erhöhte und verstärkt nachhaltige arbeitsmarkpolitische Wirksamkeit aus. Darüber hinaus werden auch andere arbeitsmarktpolitische Qualifizierungsmaßnahmen, wie die von beauftragten Ausbildungseinrichtungen durchgeführten AMS-Kurse, im Sinne einer stärkeren Bedarfs- und Vermittlungsorientierung weiterentwickelt. Der Erfolg dieser umfassenden Bemühungen zeigt sich an den aktuell deutlich steigenden Vermittlungsquoten nach AMS-Schulungsmaßnahmen.

Arbeitsmarktförderung 2017

Im Jahr 2017 waren im Jahresdurchschnitt österreichweit insgesamt 339.976 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet. Die nationale Arbeitslosenquote lag bei 8,5 %.

Insgesamt wurden in diesem Jahr € 1,33 Mrd. investiert, um rund 548.980 Personen zu fördern. Mehr als jede oder jeder dritte Arbeitslose (34%) wurde im Rahmen der Arbeitsmarktförderung des AMS unterstützt.

Aufteilung der Förderungen 2017

Als zentrales Instrument der Arbeitsmarktförderung bietet das AMS Qualifizierungsangebote für Arbeitslose und Beschäftigte.

Mit rund 55% (€ 731 Mio.) des gesamten Förderbudgets machen die Qualifizierungsangebote das wichtigste Förderinstrument aus. Für Beschäftigungsförderungen wurden immerhin € 461 Mio. und damit rund 35% des gesamten Förderbudgets aufgewendet.

360.010 Personen konnte 2017 mit den Ausgaben für Qualifizierungen ein Aus- und Weiterbildungsangebot ermöglicht werden.

Dabei wurden mehr als € 323 Mio. eingesetzt, um 121.866 Personen fachspezifische Aus- und Weiterbildungsangebote zu finanzieren.

 
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