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Theaterarbeitsrecht

Das seit 1922 im Wesentlichen unverändert geltende Schauspielergesetz (SchauspG) wurde mit 1. Jänner 2011 durch das Theaterarbeitsgesetz (TAG) abgelöst. 

Damit erfolgten:

  • eine Modernisierung und Anpassung des Bühnenarbeitsrechts an die zwischenzeitigen Entwicklungen der arbeitsrechtlichen Gesetzgebung und der Theaterpraxis,
  • die Umsetzung europarechtlicher Vorgaben und
  • eine Rechtsbereinigung. 

Erweiterter Geltungsbereich

Das TAG gilt „für das Arbeitsverhältnis von Personen (Mitgliedern), die sich einem Theaterunternehmer oder einer Theaterunternehmerin zur Leistung künstlerischer Arbeiten in einem oder mehreren Kunstfächern zur Aufführung von Bühnenwerken verpflichten (Bühnenarbeitsvertrag)". 
Damit sind alle im Rahmen von Bühnenarbeitsverhältnissen künstlerisch tätigen Personen unabhängig vom Ausmaß ihrer Beschäftigung erfasst.
Theaterunternehmer bzw. Theaterunternehmerin ist, „wer ein Unternehmen im Sinne des § 1 Abs. 2 des Unternehmensgesetzbuches (...) zur Aufführung von Bühnenwerken betreibt".    

Wichtige Neuregelungen

Für nicht künstlerisch tätige Theaterarbeitnehmer und Theaterarbeitnehmerinnen finden ausschließlich die theaterspezifischen Ruhezeitenregelungen des TAG Anwendung. 
Im Übrigen gilt für nicht künstlerisch tätige Theaterarbeitnehmer und Theaterarbeitnehmerinnen – sofern diese Angestelltentätigkeiten verrichten – wie bisher das Angestelltengesetz. Werden andere Tätigkeiten verrichtet, gelten die Bestimmungen des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (insbesondere §§ 1151 und Folgende).

Das TAG regelt zudem ausdrücklich die Entlohnung von Vorproben.

Anpassungen des Arbeitsverhinderungsrechts

Das TAG sieht nunmehr einen Anspruch auf Fortzahlung der festen Bezüge im Fall einer Arbeitsverhinderung wegen Arbeitsunfall oder Berufskrankheit sowie aufgrund eines Kur- und Erholungsaufenthaltes vor.

Anpassung der urlaubsrechtlichen Regelungen

Der Urlaubsanspruch ist nun nach Werktagen und nicht mehr nach Kalendertagen geregelt. Der jährliche Urlaubsanspruch ist im ersten Arbeitsjahr auf mindestens 24 Werktage festgesetzt. Dieser Urlaubsanspruch erhöht sich für jedes weitere begonnene Arbeitsjahr (Spieljahr) um zwei weitere Tage bis zum Höchstmaß von 36 Werktagen. Auch für Verträge mit einer Dauer von weniger als 6 Monaten und für Gastverträge ist ein aliquoter Urlaubsanspruch vorgesehen.

Ruhezeiten

Das TAG sieht theaterspezifische Ruhezeitenbestimmungen vor. Es besteht ein Anspruch auf eine ununterbrochene Ruhezeit von 36 Stunden pro Kalenderwoche, wobei diese einen ganzen Wochentag (24 Stunden) umfassen muss. Eine Verkürzung der wöchentlichen Ruhezeit kann vereinbart werden, wenn innerhalb von 14 Tagen eine durchschnittliche wöchentliche Ruhezeit von 36 Stunden gewährleistet ist.
Durch den Kollektivvertrag kann der Durchrechnungszeitraum auf bis zu ein Jahr verlängert werden. Der Kollektivvertrag kann die Ermächtigung zur Verlängerung des Durchrechnungszeitraumes auch an die Betriebsvereinbarung weitergeben. 

Anpassung der Nichtverlängerungserklärung

Entsprechend der kollektivvertragsrechtlichen Praxis ist nun auch im TAG festgelegt, dass bei Nichtverlängerung befristeter Verträge der Theaterunternehmer bzw. die Theaterunternehmerin aktiv werden muss und dem Mitglied schriftlich bis 31.1. des Jahres, in dem der Bühnenarbeitsvertrag endet, mitzuteilen hat, ob das Engagement verlängert wird.

Regelung von Gastverträgen

Ein Gastvertrag liegt dann vor, wenn der Gast für nicht mehr als fünf Aufführungen in einem Spieljahr verpflichtet wird („Typ I"). 
Des Weiteren liegt ein solcher vor, wenn der Gast für nicht mehr als 60 Aufführungen im Spieljahr gegen ein Entgelt verpflichtet wird, das die festen Bezüge, die den am jeweiligen Theaterunternehmen im selben Kunstfach tätigen übrigen Mitgliedern im Durchschnitt gebühren, übersteigt („Typ II"). 
Entsprechend der Systematik des bisherigen SchauspG sind einige Bestimmungen des TAG auf Gastverträge nicht anwendbar. Allerdings erwerben – wie oben erwähnt – künftig auch Gäste einen Urlaubsanspruch.     

 
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