Die Website des Österreichischen Sozialministeriums

Betreuende und pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige

Es gibt heutzutage viele Menschen, die Pflege brauchen.

Wenn ein Mensch Pflege braucht,

betrifft das oft die ganze Familie.

Bei jedem einzelnen Menschen,

der Pflege braucht,

ist die Situation anders.

Es kommt zum Beispiel darauf an,

wie viel Pflege jemand braucht

oder wie viel Pflege jemand

von den Familienmitgliedern bekommen kann.

Es ist auch wichtig,

wie viel Geld eine Familie hat

oder wie groß die Wohnung ist.

Auf jeden Fall ist die Pflege daheim sehr anstrengend

für alle beteiligten Personen.

Diese Personen brauchen dabei viel Unterstützung.

Pflegende Angehörige haben wenig Zeit

und brauchen oft Informationen zur Pflege.

Unterstützung für pflegende Angehörige

Wenn ein naher Angehöriger oder eine nahe Angehörige

einen Menschen seit mindestens einem Jahr pflegt,

kann diese Person eine Unterstützung bekommen,

wenn sie die Person aus einem wichtigen Grund

für eine Zeit lang nicht pflegen kann.

Wichtige Gründe sind zum Beispiel Krankheit oder Urlaub.

Dafür gibt es folgende Voraussetzungen:

  • Die pflegebedürftige Person bekommt
    mindestens ein Pflegegeld der Stufe 3
  • Die pflegebedürftige Person
    ist an Demenz erkrankt ist und bekommt
    mindestens ein Pflegegeld der Stufe 1
  • Die pflegebedürftige Person
    ist minderjährig und bekommt
    mindestens ein Pflegegeld der Stufe 1

Diese Unterstützung ist dafür da,

dass eine Person bezahlt werden kann,

die die Haupt-Pflege­person vertritt.

Wenn Sie diese Unterstützung bekommen möchten,

müssen Sie ein Ansuchen an das Sozialministeriumservice schicken.

Das An­tragsformblatt sowie ein Informationsblatt

können Sie im Internet herunterladen. 

Pensionsversicherung für pflegende Angehörige

Manchmal können Personen

wegen der Pflege eines nahen Familienangehörigen

nicht arbeiten gehen.

Man kann in so einem Fall trotzdem

Zeiten für die Pensions-Versicherung bekommen,

obwohl man keinen Beitrag zahlt.

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Weiterversicherung für pflegende Angehörige

Wenn eine Person keine Pflichtversicherung mehr hat,

weil sie eine nahe Angehörige oder

einen nahen Angehörigen pflegen muss,

kann sie sich bei der Pensionsversicherung weiterversichern.

Voraussetzungen:

Die pflegebedürftige Person muss

mindestens Pflegegeld der Stufe 3 bekommen.

Die pflegende Person muss

ihre ganze Arbeitskraft

für die Pflege brauchen.

Es muss schon bestimmte Vor-Versicherungszeiten geben.

Pro Pflegefall gibt es diese Begünstigung

nur für eine Person.

Die Weiterversicherung gibt es weiter,

auch wenn die pflegebedürftige Person

für eine bestimmte Zeit im Krankenhaus ist.

Die Beiträge für die Pensionsversicherung

zahlt der Bund.

Pflegende Angehörige haben also keine Kosten.

2. Selbstversicherung für pflegende Angehörige

Diese neue Selbstversicherung gilt für Zeiten,

in denen eine Person

keine Pflichtversicherung mehr hat,

weil sie eine nahe Angehörige oder

einen nahen Angehörigen pflegen muss.

Man kann sie auch bekommen,

wenn man schon eine Pflichtversicherung hat,

weil man arbeiten geht.

Voraussetzungen:

Die pflegebedürftige Person muss

mindestens Pflegegeld der Stufe 3 bekommen.

Die pflegende Person muss sehr viel Arbeit

mit der Pflege haben.

Die pflegende Person muss im Inland wohnen.

Auch diese Beiträge bezahlt der Bund.

Pflegende Angehörige können so kostenlos

Versicherungszeiten bekommen.

Frauen oder Männer ,

die ein behindertes Kind pflegen

und deshalb nicht mehr als 20 Stunden arbeiten können,

können sich auch in der Pensionsversicherung

selbst versichern.

Die Kosten dafür übernimmt der Bund.

Pflegende Personen haben also keine Kosten. 

Infoservice des Sozialministeriums: Angebot Sozialer Dienste

Jede einzelne Pflegesituation ist individuell verschieden, weil auch die Gesundheits-, Lebens- und Familiensituationen verschieden sind. Auch die finanziellen Voraussetzungen und die Wohnsituationen spielen eine wichtige Rolle. Aber die Pflege daheim ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung, die viel Unterstützung braucht. 

Pensionsversicherung für pflegende Angehörige

Für pflegende Angehörige, die einen nahen Familienangehörigen unter gänzlicher bzw. erheblicher Beanspruchung ihrer Arbeitskraft pflegen, bestehen folgende Möglichkeiten, um ohne Beitragszahlungen Pensionsversicherungszeiten zu erwerben:

Weiterversicherung für pflegende Angehörige

Personen, die aus der Pflichtversicherung ausgeschieden sind (z.B. Beendigung der Erwerbstätigkeit), um einen nahen Angehörigen oder eine nahe Angehörige zu pflegen, können sich in der Pensionsversicherung weiterversichern.

Die Voraussetzungen dafür sind:
  • Anspruch des pflegebedürftigen Angehörigen auf ein Pflegegeld zumindest der Stufe 3
  • gänzliche Beanspruchung der Arbeitskraft durch die Pflege in häuslicher Umgebung
  • Vorliegen bestimmter Vorversicherungszeiten
Diese Begünstigung kommt pro Pflegefall nur für eine Person in Betracht und bleibt auch während eines zeitweiligen stationären Krankenhausaufenthaltes der zu pflegenden Person aufrecht. Die Beiträge für die Pensionsversicherung werden zur Gänze vom Bund getragen, sodass für die pflegenden Angehörigen keine Kosten entstehen.

Selbstversicherung für pflegende Angehörige

Diese Selbstversicherung für Zeiten der Pflege naher Angehöriger kann auch neben einer aufgrund einer Erwerbstätigkeit bestehenden Pflichtversicherung in Anspruch genommen werden.

Die Voraussetzungen dafür sind:
  • Anspruch des pflegebedürftigen Angehörigen auf ein Pflegegeld zumindest der Stufe 3
  • erhebliche Beanspruchung der Arbeitskraft durch die Pflege in häuslicher Umgebung
  • Wohnsitz im Inland

Auch die Beiträge für die Selbstversicherung übernimmt der Bund zur Gänze. Pflegende Angehörige können auf diese Art und Weise kostenlos Versicherungszeiten erwerben.

Außerdem können sich Personen, deren Arbeitskraft wegen der Pflege eines behinderten Kindes überwiegend beansprucht ist, in der Pensionsversicherung selbst versichern. Die Erwerbstätigkeit darf dabei bis zum Ausmaß von 20 Wochenstunden ausgeübt werden. Der versicherten Person erwachsen dabei keine Kosten, da die Beiträge vom Bund bezahlt werden.

Weiterführende Informationen und Anträge erhalten Sie beim zuständigen Pensionsversicherungsträger. 

Krankenversicherung für pflegende Angehörige

Mitversicherung für pflegende Angehörige

Es können sich Personen beitragsfrei mitversichern lassen, die zumindest selbst Anspruch auf Pflegegeld der Stufe 3 haben oder die einen Angehörigen bzw. eine Angehörige mit Anspruch auf Pflegegeld zumindest in Höhe der Stufe 3 unter ganz überwiegender Beanspruchung der Arbeitskraft pflegen.

Selbstversicherung für pflegende Angehörige

Diese Versicherungsvariante ist kostenlos und kann von Personen in Anspruch genommen werden, die nicht in der Krankenversicherung pflichtversichert oder als Angehörige mitversichert und sozial schutzbedürftig sind. Die so versicherte Person muss sich der häuslichen Pflege eines nahen Angehörigen widmen, der mindestens Pflegegeld der Stufe 3 bezieht. Die Pflege muss unter ganz überwiegender Beanspruchung der Arbeitskraft im Inland erfolgen.

Selbstversicherung in der Krankenversicherung bei Pflege eines behinderten Kindes

Personen, die sich der Pflege ihres im gemeinsamen Haushalt lebenden behinderten Kindes widmen und die Voraussetzungen für die kostenlose Selbstversicherung in der Pensionsversicherung für Zeiten der Pflege eines behinderten Kindes erfüllen, können sich bei sozialer Schutzbedürftigkeit in der Krankenversicherung auf Antrag selbst versichern, sofern sie nicht als Angehörige mitversichert sind.

Versicherungsbeiträge fallen nicht an. Diese werden zur Gänze aus Mitteln des Ausgleichfonds für Familienbeihilfen vom Bund beglichen. Nähere Informationen erteilt die zuständige Krankenkasse.

Ersatzpflege

Ist eine nahe Angehörige oder ein naher Angehöriger, die/der einen pflegebedürftigen Menschen seit mindestens einem Jahr überwiegend pflegt und an der Erbringung der Pflegeleistung wegen Krankheit, Urlaub oder aus sonstigen wichtigen Gründen verhindert, kann eine Zuwendung gemäß § 21a des Bundespflegegeldgesetzes gewährt werden. Zuständig ist das Sozialministeriumservice.

Pflegende Kinder und Jugendliche - Young Carers

Pflegende Kinder und Jugendliche sind ein globales Phänomen. Daher wurden im Auftrag des Sozialministeriums zwei Studien in Auftrag gegeben. Einerseits wurde die Situation pflegender Kinder in Österreich erhoben, andererseits wurden Konzepte für familienorientierte Unterstützungsmaßnahmen entwickelt.

Betroffene Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und PädagogInnen können sich an folgende Stellen wenden:

  • Superhands - Internetplattform für Kinder und Jugendliche, die zuhause ein Familienmitglied pflegen
  • 147 Rat auf Draht - Notruf für Kinder und Jugendliche und deren Bezugspersonen
  • Verrückte Kindheit - Das Online-Portal - Plattform für Jugendliche und junge Erwachsene, deren Eltern psychisch erkrankt sind
  • Österreichisches Jugendrotkreuz

Die sozialpolitische Studienreihe (Band 19) hat dazu einen Bericht herausgegeben.

Das Angehörigengespräch

Es ist belegt, dass pflegende Angehörige oft psychisch belastet sind. Jenen Angehörigen, welche beim Hausbesuch durch eine diplomierte Pflegefachkraft zumindest eine psychische Belastung angegeben haben, wird das Angehörigengespräch angeboten. Durchgeführt wird das Angehörigengespräch von Psychologen und Psychologinnen, Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen sowie anderen, fachkundigen Personen.

Um mehr Angehörigen von BezieherInnen von Pflegegeld solch ein Entlastungsgespräch zu ermöglichen, kann das Angehörigengespräch auch auf Wunsch hin angefordert werden. Dieses Angebot ist kostenlos.  

Nähere Informationen dazu erhalten Sie beim Kompetenzzentrum "Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege", das die Angehörigengespräche bundesweit organisiert und koordiniert angehoerigengespraech@svb.at Tel. 01/79706-2705). 

 
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