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19.09.2018

Hartinger-Klein/Schramböck: „Wir müssen mehr Menschen in Beschäftigung bringen“

BM Hartinger-Klein und BM Schramböck bei der Pressekonferenz anlässlich des Jobgipfels am 19. September 2018 / Foto: BKA/Regina Aigner

BM Hartinger-Klein und BM Schramböck bei der Pressekonferenz anlässlich des Jobgipfels am 19. September 2018 / Foto: BKA/Regina Aigner

„50 Prozent aller Geschäftsführer und 35 Prozent aller Unternehmensgründer in Österreich haben eine Lehre absolviert. Das beweist, dass ‚Karriere mit Lehre‘ weiterhin seine Gültigkeit hat. Wir müssen uns aber fragen, was die „Generation Z“ will, wie sie zu motivieren und zu begeistern ist“, erklärt Bundesministerin Mag. Beate Hartinger-Klein anlässlich des heutigen Jobgipfels.

Derzeit gibt zwar es keinen Lehrstellenüberhang. In vier westlichen Bundesländern gibt es mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende,  eklatant hingegen ist der Arbeitsmarkt in Wien. Hier gibt es fast sechs Mal mehr Lehrstellensuchende als offene Lehrstellen. „Die Zahl der Lehrstellen muss jetzt erhöht werden, und das wird die Wirtschaft leisten müssen. Es müssen mehr Lehrlinge aufgenommen werden und andererseits braucht es Anreize, dass die Lehrstellensuchenden die Lehre auch in anderen Bundesländern absolvieren wollen“, so Bundesministerin Hartinger-Klein.

„Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Regionalisierung der Mangelberufsliste. Wenn es in Salzburg an Köchen mangelt, muss das nicht auch für Wien gelten. Ich werde mit meiner Kollegin Bundesministerin Margarete Schramböck dazu eine Arbeitsgruppe einrichten“, so Hartinger-Klein abschließend. Die neue Mangelberufsliste wird mit 1.1.2019 gelten.

Auch Bundesministerin Margarete Schramböck sieht als gemeinsames Ziel aller Parteien und Interessenvertretungen, mehr Menschen in die Beschäftigung zu bringen. „Wir haben derzeit Hochkonjunktur, 350.000 Arbeitslose und Fachkräftemangel. Das passt nicht zusammen. Offenbar gibt es Handlungsbedarf. Wir müssen das Potential der Jungen in Österreich besser für eine duale Ausbildung nutzen, aktiv in der Europäischen Union nach den besten Arbeitskräften suchen und Möglichkeiten für den Zuzug von Spezialisten aus Drittstaaten schaffen“, so Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck.

„Wir wollen den Fachkräftebedarf für unsere Betriebe bestmöglich abdecken und den Jungen eine berufliche Perspektive geben. Um die Qualifikation und Mobilität unserer Lehrlinge zu erhöhen, werden wir künftig 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Zusätzlich brauchen wir bei der Überbetrieblichen Lehre mehr Verbindlichkeit und engeren Austausch mit der Wirtschaft. Der Staat bildet jährlich 8.000 - 10.000 junge Menschen in Lehrwerkstätten aus, von denen zu wenige in die Wirtschaft wechseln und viele im Laufe ihrer Ausbildung nie mit der beruflichen Praxis in Berührung kommen“, so Schramböck. Künftig werden die Lehrlinge der Überbetrieblichen Lehre verpflichtet, sich regelmäßig auf Lehrstellen in Betrieben zu bewerben und müssen Pflichtpraktika absolvieren.

„Wir werden in den nächsten Monaten und Jahren auch weiterhin daran arbeiten, die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Österreich zu verbessern. Denn ein wettbewerbsfähiger Arbeits- und Wirtschaftsstandort ist nach wie vor die beste Maßnahme für eine niedrige Arbeitslosigkeit“, sagt Schramböck.

Maßnahmen

  1. Potential im Inland besser abrufen

Wir haben 60.000 Arbeitslose unter 25 Jahre inkl. Schulungsteilnehmer. Dies kommen alle für eine Lehre in Betrieben in Frage. Um dies zu erreichen, werden die Mittel im Fördertopf „Integration“ von 10 Mio. auf 20 Mio. Euro verdoppelt, um Integration, z.B. durch zusätzliche Deutschkurse, aber auch Mathematikkurse und interkulturelle Kompetenzen für diese Gruppe zu fördern und Mobilität zu unterstützen.

Zusätzlich haben wir 8.000-10.000 Lehrlinge in der staatlichen überbetrieblichen Lehrausbildung (ÜBA). Künftig werden die ÜBA-Lehrlinge verpflichtet, sich regelmäßig auf Lehrstellen in Betrieben zu bewerben und müssen Pflichtpraktika absolvieren.

 

  1. Anwerben von Fachkräften in der EU

Wenn ein Betrieb weniger Aufträge annehmen kann, weil er die Spezialisten nicht findet, gehen auch nachgelagerte Arbeitsplätze verloren. Wenn ein Hotel zB keinen Koch findet und daher weniger Zimmer vermieten kann, gehen auch Arbeitsplätze für Zimmermädchen und Kellner, bei Zulieferern und Nachgelagerten Dienstleistungen verloren. Daher macht es Sinn, Fachkräfte auch aus dem Ausland anzuwerben, wenn man sie im Inland nicht findet oder sie nicht dazu bewegen kann, von Wien nach Tirol zu gehen.

  • Austrian Business Agency, die ABA, von einer Ansiedelungsagentur zu einer Standortagentur umbauen, mit dem Auftrag um Fachkräfte in der EU zu werben, speziell in England, Stichwort Brexit.
  • Dabei sollen auch die Außenwirtschaftscenter der WKO unterstützen, die ein gut ausgebautes Netzwerk im Ausland haben. Wir wollen Auslandsösterreicher und EU-Fachkräfte auf die Möglichkeiten und Vorzüge aufmerksam machen. Speziell KMU haben oft nicht die Möglichkeit, im Ausland Arbeitskräfte zu suchen.

 

  1. Entbürokratisierung und schnellere Verfahren für Talente aus Drittstaaten

Mangelberufsliste rationalisieren und die Rot-Weiß-Rot- Karte modernisieren (Abbau bürokratischer Hürden, Systematik des Punkteschemas lockern)

  1. AMS-Förderbudget von 1,250 Milliarden Euro für das Jahr 2019
  2. Zumutbarkeitsbestimmungen plus Mobilitätspaket
    Es braucht dazu Fördermodelle, zur Steigerung der Mobilität von Jugendlichen und eine Öffnung der Lehrlingsinternate. Möglich wären etwa Lehrlingswohnungen, eine Vor-Ort-Unterstützung usw.
  3. Qualifizierungsmerkmale während der Lehrzeit
    Allein die Lehrabschlussprüfung am Ende der Lehrzeit ist zu wenig. Es braucht eine Qualitätsprüfung zur Lehrzeit-Hälfte.
  4. Image der Lehre steigern
    Mit einer gemeinsamen Kampagne des BMDW und des BMASGK wollen wir das Image und die Akzeptanz der Lehre steigern.
  5. Wir investieren in die Herbstfinanzierung der ÜBA, FIA und FIT
  • die Herbstfinanzierung der überbetrieblichen Lehrausbildung
  • sowie in die beiden Programme „Facharbeiterintensivausbildung“ und „Frauen in Handwerk und Technik.“

 
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