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Social Impact Bond

Ein Social Impact Bond (SIB) ist eine Kooperations- und Finanzierungsform zwischen öffentlicher Hand und privaten (gemeinnützigen) InvestorInnen – die Rückzahlung der von den InvestorInnen eingesetzten Mittel und Ausschüttung einer Zielprämie sind davon abhängig, ob ein bestimmtes soziales Problem (besser) gelöst werden konnte. Bezahlt wird nur bei erfolgreicher Umsetzung der sozialen Ziele.

Die österreichische Bundesregierung bekannte sich im Arbeitsprogramm 2013-2018 dazu, mittels SIB innovative Ansätze in der Sozialpolitik zu erproben, um sich den aktuellen Herausforderungen in der Sozialpolitik zu stellen, mögliche Lücken zu schließen und mit neuen Initiativen den sozialen Zusammenhalt in Österreich zu stärken.

Wie funktioniert ein Social Impact Bond?

Grafik zum Social Impact Bond

Grundlage für einen Social Impact Bond ist eine Vereinbarung mit der Öffentlichen Hand, die eine Prämie bei Erreichen vorab festgelegter und objektiv messbarer Ziele vorsieht. Die Umsetzung wird von sogenannten Vorfinanziererinnen/Vorfinanzierern ermöglicht, die ausschließlich bei Erfolg eine vorab definierte Zielprämie erhalten. Die Identifizierung des Problemfeldes, die Auswahl der Zielgruppe, das Festlegen der inhaltlichen und finanziellen Rahmenbedingungen sowie der zentralen Erfolgskriterien erfolgt ausschließlich durch die Öffentliche Hand. Spezialisierte Organisationen, wie zum Beispiel gemeinnützige Vereine, übernehmen die operative Umsetzung. Eine Intermediärin ist für die Akquise der Vorfinanzierung verantwortlich und koordiniert, beauftragt und begleitet die operativ tätigen Organisationen.

Initiiert wurde das Projekt vom Sozialministerium, in Kooperation mit dem Land Oberösterreich und dem Bundesministerium für Bildung und Frauen.

Problemstellung: Armut und Ausgrenzung von gewaltbetroffenen Frauen

SIB-Modellprojekt „Ökonomisches und soziales Empowerment von gewaltbetroffenen Frauen“

Jede 5. Frau in Österreich ist von Gewalt im sozialen Nahbereich betroffen. Jährlich werden an die 1.700 Frauen und 1.600 mit-betroffene Kinder in Frauenhäusern und rund 15.000 Frauen und Mädchen von der Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie betreut. Über 16.000 Kinder werden Zeuginnen/Zeugen von Gewalt in der Familie.

Gewaltbetroffene Frauen sind in ihrem beruflichen und öffentlichen Leben benachteiligt, wirtschaftlich und damit auch sozial von ihrem Partner abhängig:

  • Rund 2/3 der Betroffenen flüchten ohne Beschäftigungsverhältnis ins Frauenhaus und verfügen lediglich über Kinderbetreuungsgeld, Arbeitslosengeld/Notstandshilfe, Bedarfsorientierte Mindestsicherung oder über gar kein Einkommen.
  • Rund 10 Prozent verlieren durch die Flucht/den Aufenthalt im Frauenhaus ihre Arbeit.
  • Mehr als 40 Prozent haben keine abgeschlossene Schulbildung, eine Lehre abgebrochen oder lediglich einen Pflichtschulabschluss.
  • Rund 25 Prozent kehren zumeist aufgrund wirtschaftlicher Abhängigkeit zum Misshandler zurück.
  • Rund 20 Prozent suchen 2 Mal oder öfter Schutz im Frauenhaus.

Gewalt im sozialen Nahraum wirkt sich auch direkt und indirekt auf die Kinder Betroffener aus:

  • Rund 1/3 der Kinder sind direkt von Gewalt betroffen.
  • 2/3 werden von den Müttern als mitbetroffen eingestuft.
  • Das Miterleben von Gewalt führt zu höherer Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung – der „Kreislauf der Gewalt“ setzt sich in der nächsten Generation fort.

All diese Faktoren erschweren Frauen den beruflichen (Wieder-)Einstieg und damit auch einen dauerhaften Ausstieg aus Gewaltbeziehungen. Gewaltbedingte gesundheitliche Einschränkungen und Traumatisierung führen vermehrt zu Krankenständen und Abwesenheiten vom Arbeitsplatz und erhöhen die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes.

Die Kosten, die Gewalt gegen Frauen verursacht, werden auf ca. 80 Mio. Euro pro Jahr geschätzt, unter anderem in der Gesundheitsversorgung, der Justiz und bei der Sicherheitsexekutive sowie durch Ausfall von Erwerbsarbeit, Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe.

Zielsetzung: Ökonomisches und soziales Empowerment von gewaltbetroffenen Frauen

Ziel des Pilotprojekt ist, gewaltbetroffenen Frauen durch Vermittlung in nachhaltige, existenzsichernde Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt und Sicherung/Ausbau bestehender, existenzsichernder Beschäftigungsverhältnisse wirtschaftliche Unabhängigkeit zu bieten und so einen dauerhaften Ausstieg aus Gewaltstrukturen zu ermöglichen.

Maßnahmen zur Umsetzung

  • Die geeignete Unterstützungsform wird in enger Zusammenarbeit und Verknüpfung mit bestehenden Angeboten und Programmen des AMS und von Frauenorganisationen individuell vereinbart.
  • Der Fokus liegt auf ganzheitlicher, multiperspektiver und individueller Betreuung und Begleitung der Frauen sowie deren Schutz. Gewährleistet werden Unterkunft, Mobilität und stabile und fördernde Kinderbetreuung.
  • Die Kooperation mit Unternehmen sorgt für eine bessere Vermittlung und erhöht die Sensibilität für das Thema Gewalt gegen Frauen in der Wirtschaft.

Grundlage für das Social Impact Bond Pilotprojekt in Oberösterreich ist eine Vereinbarung zwischen einer gemeinnützigen Gesellschaft mbH und dem Sozialministerium.

In der Projektlaufzeit von September 2015 bis August 2018 soll eine definierte Zahl von gewaltbetroffenen Frauen in existenzsichernde Beschäftigung gebracht und dort für mindestens ein Jahr gehalten werden.

Die Juvat gemeinnützige Gesellschaft mbH übernimmt unentgeltlich die Rolle der Intermediärin innerhalb des Social Impact Bonds. Sie hat den Vertrag mit dem Sozialministerium verhandelt und abgeschlossen, die Vorfinanziererinnen gewonnen, die operativ verantwortlichen Projektpartnerinnen eingebunden sowie die gemeinsam mit dem Sozialministerium ausgewählte Evaluierung beauftragt.

Zwei Projektpartnerinnen – das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich und das Frauenhaus Linz – kümmern sich um die operative Umsetzung. Sie führen zielgruppenspezifische Maßnahmen-Module aus dem Bereich der Betreuung und Unterstützung gewaltbetroffener Frauen sowie der Ausbildungsförderung, der Berufsorientierung und der Vermittlung in Kooperation mit dem AMS und geeigneten Organisationen vor Ort zusammen.

Die Festlegung des Handlungsfelds und der finanziellen Rahmenbedingungen erfolgt durch die Öffentliche Hand – in diesem Fall das Sozialministerium. Das Sozialministerium behält auf diese Weise die Kontrolle über seine hoheitlichen Aufgaben, kann diese durch klar formulierte Zielvorgaben präzisieren und handelt gemäß einer wirkungsorientierten Verwaltung.

 
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