Der Gebrauch von Cookies erlaubt es uns, Ihnen die optimale Nutzung dieser Website anzubieten. Wir verwenden Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu. Genauere Informationen finden Sie im Bereich Datenschutz.

Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Erreger & Übertragung

Die Kinderlähmung wird durch Enteroviren (Poliovirus Typ 1, Typ 2 und Typ 3) verursacht. Diese werden durch Schmierinfektion, das heißt durch Berührungen, übertragen. Auch eine Übertragung über die Atemluft als so genannte Tröpfcheninfektion oder über durch Fäkalien verunreinigtes Wasser ist möglich. Schlechte hygienische Bedingungen begünstigen die Übertragung.

Krankheitsverlauf und mögliche schwere Krankheitsfolgen

Bei vielen Personen verläuft eine Ansteckung ohne Krankheitszeichen oder mit milden allgemeinen Symptomen wie Fieber, Schluckbeschwerden, Kopf- und Gliederschmerzen und/oder Übelkeit und Erbrechen. Auch diese Personen sind jedoch ansteckend und tragen maßgeblich zur Weiterverbreitung des Virus bei.
Werden Zellen des zentralen Nervensystems befallen, kommt es entweder zur so genannten nicht-paralytischen oder zur paralytischen Form der Kinderlähmung. Die nicht-paralytische Form geht mit Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen und Muskelkrämpfen einher und heilt bis auf eine vorübergehende Muskelschwäche meist wieder komplett aus. Bei zirka einem von 200 Infizierten kommt es zu einer paralytischen Poliomyelitis mit schlaffen Lähmungen. Die Lähmungserscheinungen setzen erst später ein und beginnen meist an den Beinen. Sie können bei fortschreitender Erkrankung auf die Arme und schließlich auf die Atemmuskulatur übergreifen. Das selbständige Atmen kann unmöglich werden und damit eine lebenslange künstliche Beatmung notwendig machen. Die Lähmungen können auch bis zum Tod führen.
Nach Abklingen der akuten Phase der Kinderlähmung bleiben oft Dauerschäden. Muskeln, die zu diesem Zeitpunkt gelähmt sind, werden selten wieder vollkommen funktionstüchtig. Es steht keine ursächliche Therapie zur Verfügung. Jahre bis Jahrzehnte nach einer Kinderlähmung kann es zu einem Post-Polio-Syndrom mit Müdigkeit, Muskelschwäche, Schmerzen und Lähmungen kommen.

Verbreitung und Häufigkeit

In der ersten Hälfte des 20-Jahrhunderts war die Kinderlähmung weltweit verbreitet. Durch den breiten Einsatz von Impfstoffen konnte sie in Europa allerdings zurückgedrängt werden. Das von der WHO propagierte weltweite Eradikationsprogramm konnte bisher dennoch noch nicht mit Erfolg abgeschlossen werden. Die Kinderlähmung kommt derzeit in einigen Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen, wie beispielsweise Pakistan, Nigeria und Afghanistan vor und kann von dort nach Europa und auch nach Österreich eingeschleppt werden. Im Falle einer Einschleppung der Krankheit kann jede und jeder Ungeimpfte daran erkranken. Fernreisende in Risikogebiete können auch vor Ort an der Kinderlähmung erkranken.

Vorbeugung – Eine Impfung schützt!

Eine Impfung bietet guten Schutz, ab der 3. Dosis besteht voller Schutz. Nachdem die Übertragung vorwiegend durch Schmierinfektion erfolgt, können Hygienemaßnahmen - insbesondere der Händehygiene - einen wertvollen Beitrag zur Unterbrechung der Übertragungskette leisten.
Prinzipiell sollten alle Personen gegen Polio geimpft sein bzw. die entsprechenden Auffrischungsimpfungen erhalten, besonders wichtig ist eine Auffrischungsimpfung für  Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko, Länder in denen Wildviren oder vom Impfstoff abgeleitete Viren zirkulieren (epidemiologische Situation laut WHO), Expatriates, Einwanderinnen und Einwanderer, Flüchtlinge und Asylwerberinnen und Asylwerber bei der Einreise aus Gebieten mit Polio-Risiko, sowie deren Betreuungspersonal, medizinisches Personal und Personal in Labors mit Poliovirus-Risiko.

Wann und wie oft wird gegen Kinderlähmung geimpft?

Im Kindesalter wird die Impfung gegen Kinderlähmung im Rahmen der kostenfreien 6-fach Impfung im 3., 5. und 11.-12. Lebensmonat verabreicht, im Schulalter sollte sie dann als Kombinationsimpfung mit Diphtherie, Wundstarrkrampf und Keuchhusten im 7.-9. Lebensjahr wiederholt werden. Weitere Auffrischungsimpfungen sollten alle 10 Jahre, ab dem vollendeten 60. Lebensjahr alle 5 Jahre durchgeführt werden. Sind bereits mindestens zwei Auffrischungsimpfungen gegen Kinderlähmung im Erwachsenenalter erfolgt, ist für alle weiteren Auffrischungsimpfungen ein 3-fach-Impfstoff (Diphtherie-Wundstarrkrampf-Keuchhusten) ausreichend.

Aktuelle Empfehlungen zur Impfung finden Sie im Impfplan Österreich. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bzw. Ihre Apotheke beraten Sie ausführlich zu den für Sie persönlich empfohlenen Impfungen.

Inhaltlicher Stand: 20.01.2020